Sie ließen Eliza Mercer zum Sterben zurück – dann kamen Hufschläge-userbaiduc

Der zweite Hufschlag kam vom Hang herab, der dritte folgte mit genügend Abstand, dass Rowan Creed nicht mehr an ein einzelnes verirrtes Pferd glauben konnte.

Er stand bereits an der Tür seiner Hütte, das Henry-Gewehr in beiden Händen, während Eliza Mercer auf dem schmalen Bett die Handtasche und die eine Münze festhielt, die Caleb übersehen hatte.

„Wie viele?“, fragte sie.

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Rowan hob nur kurz die Hand.

Noch einmal Hufe.

Nicht schnell. Nicht hektisch. Wer dort draußen ritt, wollte nicht unbemerkt bleiben.

Eliza spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.

Caleb hatte sie zwischen den roten Felsen unterhalb des Kenosha Pass zusammengeschlagen, ihre Rippen mit der eisernen Pfanne getroffen, ihre Hand verletzt und sie liegen lassen, nachdem er das Geld aus ihrer Handtasche gerissen hatte.

Aber jetzt lag eine Münze in ihrer unverletzten Hand, tief aus dem zerrissenen Futter befreit, direkt unter den Buchstaben, die ihre Mutter dort eingenäht hatte: Eliza Mercer.

Eine Münze.

Zu wenig, um Calebs Brutalität zu erklären.

Genug, um eine Frage zu stellen, die Eliza vorher nicht hatte stellen wollen.

„Er wusste, dass dort etwas eingenäht war“, sagte sie.

Rowan blickte über die Schulter.

„Das Geld?“

„Vielleicht am Anfang.“

Eliza drehte die Münze zwischen den Fingern. „Aber er hat das Futter nicht einfach aufgerissen. Er hat gesucht.“

Draußen verstummten die Hufe.

Das war schlimmer als ihr Näherkommen.

Rowan löschte das Licht nicht und verbarrikadierte auch nicht sofort die Tür. Stattdessen trat er einen Schritt zur Seite, sodass er durch einen schmalen Spalt neben dem Fenster sehen konnte, ohne sich davorzustellen.

„Kannst du laufen?“

Eliza sah auf ihre geschiente Hand und presste den anderen Arm gegen die verbundenen Rippen.

„Nicht weit.“

„Das reicht als Antwort.“

Er zog einen Stuhl vom Tisch und stellte ihn so neben das Bett, dass Eliza sich daran hochziehen konnte, falls sie sich bewegen musste.

Dann schob er ihre Handtasche zu ihr.

Nicht die Münze.

Die Tasche.

Eliza verstand.

Falls jemand durch diese Tür kam, gehörte das Einzige, was noch mit ihrer Mutter und ihrem Namen verbunden war, in ihre Hand und nicht auf Rowans Tisch.

Sie tastete erneut über das beschädigte Futter.

Caleb hatte die Naht fast vollständig geöffnet. An einer Stelle jedoch war der Stoff doppelt gelegt. Dort hatte die Münze festgesteckt.

Eliza fuhr mit dem Daumen darüber und bemerkte etwas, das ihr zuvor entgangen war.

Die Buchstaben ihres Namens waren nicht die einzigen Stiche.

Unter „Mercer“ verlief eine zweite Reihe, unregelmäßiger und kleiner, fast vollständig vom eingerissenen Saum verdeckt.

Sie zog den Stoff vorsichtig auseinander.

Kein weiterer Name erschien.

Nur eine kurze Folge alter Stiche, die aussahen, als wäre dort früher etwas anderes befestigt gewesen.

Etwas, das fehlte.

Eliza hob den Kopf.

„Rowan.“

Er drehte sich nicht um.

„Was?“

„Hier war noch etwas.“

Jetzt sah er zu ihr.

Eliza zeigte ihm die leere Stelle im Futter.

„Meine Mutter hat nicht nur Münzen eingenäht.“

Rowan betrachtete die Naht aus der Entfernung. Er kam nicht näher, bis Eliza ihm die Tasche selbst entgegenhielt.

Dann nahm er sie vorsichtig.

„Weißt du, was dort war?“

„Nein.“

Das Wort tat Eliza beinahe mehr weh als ihre Rippen.

Ihre Mutter hatte die Tasche vorbereitet, bevor Eliza mit Caleb aufgebrochen war. Sie hatte die Münzen nicht erklärt. Sie hatte nur darauf bestanden, dass Eliza die Tasche bei sich behielt.

Damals hatte Eliza es für die übertriebene Sorge einer Mutter gehalten.

Jetzt erinnerte sie sich an ihre Hände.

Wie lange sie das Futter geglättet hatte.

Wie sie Eliza angesehen hatte, bevor sie die Tasche losließ.

„Caleb könnte es gefunden haben“, sagte Eliza.

Rowans Blick wurde härter.

„Und wenn er es gefunden hat, könnte das der Grund sein, warum er dich nicht einfach ausgeraubt hat.“

Eliza musste die Augen schließen.

Sie sah wieder die eiserne Pfanne.

Calebs Gesicht.

Seine Stiefel neben ihrem Körper.

Und seine Hände in der Tasche.

Nicht nur gierig.

Suchend.

Ein Geräusch kam von draußen.

Leder knarrte.

Jemand war abgestiegen.

Rowan gab Eliza die Handtasche zurück und trat zur Tür.

„Wenn ich sage, dass du dich auf den Boden legst, tust du es.“

„Und du?“

„Ich bleibe zwischen dir und der Tür.“

Eliza schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Rowan sah sie an, als hätte er nicht erwartet, dass eine Frau, die kaum sitzen konnte, ausgerechnet jetzt widersprechen würde.

„Wenn Caleb da draußen ist, dann ist er wegen mir hier“, sagte sie. „Du musst nicht für mich sterben.“

„Habe ich auch nicht vor.“

„Rowan.“

„Eliza.“

Zum ersten Mal klang ihr Name aus seinem Mund nicht wie eine Entdeckung.

Er klang wie eine Entscheidung.

Dann klopfte jemand an die Tür.

Dreimal.

Rowan hob das Gewehr.

„Wer ist da?“

Eine Männerstimme antwortete von draußen.

Nicht Calebs.

Eliza kannte sie trotzdem.

Ihr ganzer Körper spannte sich an.

Rowan bemerkte es sofort.

„Kennst du ihn?“

Eliza nickte.

Der Mann draußen rief ihren Namen.

Nicht fragend.

Er wusste, dass sie dort war.

Damit änderte sich alles.

Nur Rowan hatte sie zwischen den Felsen gefunden. Caleb hatte sie dort zurückgelassen. Niemand hätte wissen dürfen, in welcher Hütte sie jetzt lag.

Eliza zwang sich auf die Füße.

Der Schmerz unter ihren Rippen war so scharf, dass ihr schwarz vor Augen wurde, doch sie hielt sich am Stuhl fest.

„Mach nicht auf.“

„Das hatte ich nicht vor.“

Draußen sagte der Mann, er sei gekommen, um Eliza nach Hause zu bringen.

Nach Hause.

Das Wort hätte Trost bedeuten sollen.

Stattdessen dachte Eliza an ihre Mutter und an die fehlende Stelle im Futter.

„Frag ihn nach Caleb“, sagte sie.

Rowan tat es.

Die Antwort kam zu schnell.

Der Mann behauptete, Caleb habe erzählt, Eliza sei bei einem Unfall verletzt worden und fortgelaufen.

Eliza stieß ein trockenes, schmerzhaftes Lachen aus.

„Er lügt.“

Rowan sagte nichts.

Eliza ging einen Schritt näher zur Tür.

„Wenn Caleb behauptet hat, ich sei fortgelaufen, warum weißt du dann, wo du mich suchen musst?“

Draußen blieb es einen Moment still.

Dann änderte sich die Stimme des Mannes.

Die freundliche Wärme verschwand nicht vollständig, aber sie wurde vorsichtiger.

Er sagte, Caleb habe vermutet, dass ein Bergbewohner sie gefunden haben könnte.

Rowan sah Eliza an.

Sie verstand denselben Widerspruch wie er.

Caleb hätte dafür wissen müssen, dass sie noch lebte.

Und wenn Caleb wusste, dass sie lebte, dann war die Sache zwischen den Felsen nicht beendet gewesen.

Sie war nur unterbrochen worden.

Eliza griff fester um ihre Handtasche.

„Frag ihn, was Caleb gesucht hat.“

Rowan stellte die Frage.

Diesmal kam keine Antwort.

Stattdessen hörten sie draußen eine leise Bewegung und danach wieder das Knarren eines Sattels.

Der Mann ging nicht fort.

Er trat nur zurück.

Dann sprach eine zweite Stimme.

Caleb.

Elizas Knie gaben beinahe nach.

„Ich weiß, dass du da drin bist“, rief er.

Rowan stellte sich vollständig vor die Tür.

Eliza spürte wieder die Schlucht unter ihrem Körper, den Staub in ihrem Mund und Calebs Stiefel über sich.

Doch diesmal lag sie nicht gefesselt zwischen Felsen.

Diesmal wusste sie etwas, das Caleb offenbar nicht wusste.

Er hatte nicht alles gefunden.

Sie öffnete die unverletzte Hand und betrachtete die Münze.

Dann betrachtete sie erneut das Futter.

Plötzlich erkannte sie, dass die leere Naht nicht dieselbe Form hatte wie die Taschen, in denen ihre Mutter die Münzen versteckt hatte.

Sie war schmaler.

Länger.

Für Geld war sie ungeeignet.

Caleb rief wieder nach ihr.

Eliza antwortete nicht.

Sie schob stattdessen zwei Finger vorsichtig tiefer zwischen Futter und Leder.

Ganz unten ertastete sie eine zweite Öffnung.

Caleb hatte die obere Naht aufgerissen und etwas herausgenommen.

Doch er hatte übersehen, dass darunter noch eine Falte lag.

Eliza zog daran.

Ein schmales Stück Stoff löste sich aus der Innenseite der Tasche.

Darauf befanden sich dieselben verblassten Handstiche wie bei ihrem Namen.

Rowan warf einen Blick zurück.

„Was ist das?“

Eliza brauchte einige Sekunden, bevor sie antworten konnte.

„Etwas, das meine Mutter versteckt hat.“

Caleb schlug draußen mit der flachen Hand gegen die Tür.

„Eliza!“

Sie zuckte zusammen, aber diesmal ließ sie die Tasche nicht fallen.

Sie betrachtete die Naht, die Münze und die Stelle, an der Caleb gesucht hatte.

Endlich ergab seine Hast einen Sinn.

Er war nicht zurückgekommen, weil eine einzige Münze fehlte.

Er war zurückgekommen, weil er nicht sicher sein konnte, ob er das Richtige gefunden hatte.

Eliza steckte die Münze wieder in die verborgene Falte und schloss ihre Finger um die Tasche.

Dann sah sie Rowan an.

„Er darf sie nicht bekommen.“

Rowan nickte.

Draußen versuchte Caleb nun nicht mehr, freundlich zu klingen.

Er verlangte, dass Rowan die Tür öffnete und Eliza herausgab.

Rowan blieb ruhig.

„Sie entscheidet, wohin sie geht.“

Caleb fluchte.

Eliza hörte Schritte auf dem Kies.

Sie hätte sich verstecken können.

Stattdessen schleppte sie sich näher an die Wand neben der Tür, außerhalb der direkten Sichtlinie.

„Caleb“, rief sie.

Die Schritte stoppten.

„Was hat meine Mutter in diese Tasche genäht?“

Keine Antwort.

Das genügte.

Nicht als Beweis für alles, was geschehen war.

Aber als Antwort auf die Frage, ob Calebs Gewalt nur wegen ein paar Münzen begonnen hatte.

Eliza sah zu Rowan.

Zum ersten Mal seit der Schlucht fühlte sie nicht nur Angst.

Sie hatte eine Wahl.

Caleb wollte die Tasche.

Rowan wollte, dass sie lebend aus dieser Nacht kam.

Und Eliza wollte endlich wissen, warum ihre Mutter ihren Namen so sorgfältig in ein Futter genäht hatte, das offenbar mehr als Geld verbergen sollte.

Sie drückte die Tasche an ihre Brust.

„Wir gehen nicht durch die Tür“, sagte sie.

Rowan verstand sofort.

Er deutete auf den hinteren Teil der Hütte und wartete, bis Eliza selbst den ersten Schritt machte.

Die Bewegung kostete sie fast alle Kraft.

Aber sie machte ihn.

Draußen begann Caleb wieder gegen die Tür zu schlagen.

Drinnen nahm Eliza Mercer ihre Tasche, ihre verbliebene Münze und ihren eigenen Namen mit sich.

Was immer ihre Mutter verborgen hatte, Caleb hatte sie beinahe getötet, um es zu kontrollieren.

Jetzt würde Eliza nicht länger darauf warten, dass er ihr erklärte, warum.

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