Blakes Ausweis war manipuliert – und Darlene kannte den wahren Grund-hangle09

Der Koffer war längst wieder geschlossen, als Darlene Blake klarmachte, dass die Freigabe seines Mitarbeiterausweises am Vorabend absichtlich gesetzt worden war.

Blake hielt die AKTE noch in beiden Händen und sah auf das kleine Kunststoffkärtchen an seiner Brust, das plötzlich nicht mehr wie ein harmloser Mitarbeiterausweis wirkte, sondern wie etwas, das jemand gezielt in ein Werkzeug verwandelt hatte.

„Woher wissen Sie das?“

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Darlene zog den Stuhl hinter ihrem Schreibtisch zurück und setzte sich langsam, wobei sie jede Bewegung so kontrollierte, dass Blake den Schmerz unter ihrem makellosen Anzug nur bemerkte, weil er wusste, worauf er achten musste.

„Weil Ihre Berechtigung gestern für ein sehr kurzes Zeitfenster verändert wurde“, sagte sie.

Blake hob den Blick.

„Wie kurz?“

„Kurz genug, dass Sie meine Tür öffnen konnten, als Sie auf Ihrer üblichen Runde dort vorbeikamen, und lang genug, dass es nicht wie ein technischer Fehler aussah.“

Er brauchte einen Moment, um zu verstehen, was sie ihm damit sagte.

Jemand hatte nicht einfach gehofft, dass ein beliebiger Mitarbeiter zufällig in Darlenes Büro geraten würde.

Jemand hatte Blake ausgewählt.

Seine Arbeitszeiten waren bekannt.

Sein Weg durch die Etage war vorhersehbar.

Und seine finanzielle Lage machte ihn in den Augen dieser Person offenbar zu genau der Art Mann, den man später leicht als bestochen, verzweifelt oder unglaubwürdig darstellen konnte.

Blake legte die AKTE auf den Tisch, aber er setzte sich noch immer nicht.

„Dann haben Sie doch längst jemanden, der solche Zugriffe prüfen kann.“

„Ich habe Menschen, die Systeme prüfen können“, antwortete Darlene, „aber ich weiß nicht mehr, wem ich erzählen kann, wonach gesucht werden soll.“

Das war das erste Mal, dass ihre Stimme nicht hart klang.

Nicht weich.

Nur vorsichtig.

Blake sah wieder zum schwarzen Koffer.

„Und deshalb 85.000 Dollar?“

„Deshalb wollte ich wissen, ob Sie sich kaufen lassen.“

Sein Kopf ruckte hoch.

Darlene hob sofort eine Hand.

„Nicht auf die Art, die Sie denken.“

Blakes Kiefer spannte sich an.

„Sie haben die medizinischen Unterlagen meiner Tochter auf Ihren Tisch gelegt und einen Koffer voller Geld daneben gestellt.“

„Ja.“

„Das nennen Sie nicht kaufen?“

Darlene hielt seinem Blick stand.

„Ich wollte sehen, ob Sie zuerst nach dem Geld greifen oder zuerst eine Grenze ziehen.“

Blake stieß ein kurzes, bitteres Lachen aus.

„Und wenn ich das Geld genommen hätte?“

„Dann hätte ich Ihnen trotzdem nichts über Abigail angetan“, sagte sie, „aber ich hätte Sie nicht in das eingeweiht, was jetzt kommt.“

Blake schob die AKTE ein Stück von sich weg.

„Sie testen Menschen gern.“

„In meiner Familie hat mich das bisher am Leben gehalten.“

Der Satz blieb zwischen ihnen hängen.

Darlene sagte nichts weiter dazu.

Sie öffnete stattdessen eine schmale Schublade, nahm ein Blatt heraus und legte es vor Blake.

Darauf standen keine medizinischen Daten, keine Schulden und keine Informationen über Abigail, sondern lediglich Zeiten, Türbereiche und die Kennung seines Mitarbeiterausweises.

Blake erkannte seine Nummer sofort.

Neben dem Zugang zur 50. Etage stand ein kurzer Eintrag, der am Vorabend begonnen und später wieder beendet worden war.

Er sah Darlene an.

„Wer kann so etwas ändern?“

„Mehr Menschen, als mir lieb ist.“

„Und wer wusste, dass Sie gestern Abend allein sein würden?“

Darlene antwortete nicht sofort.

Das genügte.

„Ihre Familie“, sagte Blake.

„Ein Teil davon.“

Er ging zum Fenster, blieb jedoch weit genug vom Glas entfernt, dass er die Stadt unter ihnen kaum wahrnahm, und dachte an die Drohung zurück, die Darlene ihm nur Stunden zuvor entgegengeschleudert hatte.

Damals hatte er geglaubt, ihre größte Angst bestehe darin, dass jemand von ihren Verletzungen erfuhr.

Jetzt begriff er, dass die Verletzungen nur der Hebel waren.

„Was sollte ich tun, nachdem ich Sie gesehen hatte?“

„Genau das, was Sie getan haben.“

Blake drehte sich um.

Darlene deutete auf den Koffer.

„Angst bekommen.“

„Und danach?“

„Entweder schweigen, nachdem ich Ihnen Geld gegeben habe, oder verschwinden, nachdem ich Sie entlassen habe.“

Blake sah sie einige Sekunden an.

Dann verstand er.

„Beides hätte so ausgesehen, als hätten Sie etwas zu verbergen.“

„Genau.“

„Wenn ich plötzlich 85.000 Dollar bekomme, kann jemand behaupten, Sie hätten einen Zeugen bezahlt.“

„Ja.“

„Wenn ich am nächsten Morgen meinen Arbeitsplatz verliere, kann derselbe Mensch behaupten, Sie hätten einen Zeugen beseitigt.“

„Auch ja.“

Blake blickte zum schwarzen Koffer.

Das Geld war nicht die Lösung.

Es war der zweite Teil der Falle.

„Dann nehme ich keinen Cent davon.“

Darlene hob leicht die Augenbrauen.

„Ihre Tochter braucht Hilfe.“

„Meine Tochter braucht einen Vater, der nicht erklären muss, warum er einen Koffer Bargeld von seiner Chefin angenommen hat.“

Darauf hatte Darlene keine schnelle Antwort.

Blake zog den Mitarbeiterausweis von seinem Hemd und legte ihn neben die AKTE.

„Wenn ich für Sie arbeite, dann offiziell.“

„Offiziell würde Aufmerksamkeit erzeugen.“

„Gut.“

Jetzt war es Darlene, die ihn prüfend ansah.

Blake schob den Ausweis mit einem Finger über den Tisch.

„Die Person, die das vorbereitet hat, erwartet einen verängstigten Hausmeister, der entweder verschwindet oder plötzlich Geld hat, das er nicht erklären kann.“

Er nickte zum Koffer.

„Also geben wir ihr weder das eine noch das andere.“

Darlene schwieg.

Blake fuhr fort.

„Ich komme weiter zur Arbeit, ich mache meine normalen Wege, und niemand behandelt mich anders.“

„Und währenddessen?“

„Beobachte ich.“

Darlene lehnte sich vorsichtig zurück.

„Keine Heldentaten.“

„Hatte ich nicht vor.“

„Keine privaten Nachforschungen über meine Familie.“

„Auch nicht.“

„Keine Konfrontation.“

Blake dachte an Abigail und daran, wie schnell aus einem zusätzlichen Risiko eine Katastrophe werden konnte.

„Damit kann ich leben.“

Darlene nahm den Mitarbeiterausweis vom Tisch und schob ihn zurück.

„Dann gehen Sie wieder runter.“

Blake blieb stehen.

„Und die 85.000?“

Darlene schloss den Koffer vollständig und ließ die Verschlüsse einrasten.

„Bleiben dort, wo sie sind.“

Am selben Nachmittag schob Blake wieder seinen Reinigungswagen durch die Flure, als hätte sein Tag mit nichts Dramatischerem begonnen als einem defekten Aufzug oder einer verschütteten Tasse Kaffee.

Niemand fragte ihn nach der 50. Etage.

Niemand fragte nach Darlene.

Gerade deshalb begann er darauf zu achten, wer so tat, als interessiere ihn beides nicht.

Blake kannte die Gewohnheiten des Gebäudes besser als viele Menschen, die dort seit Jahren in Büros mit eigenen Namensschildern saßen.

Er wusste, welche Besprechungsräume nach Feierabend leer blieben, welche Türen automatisch zufielen, welche Führungskräfte ihre Tassen stehen ließen und welche Mitarbeiter ihre Gespräche sofort beendeten, sobald jemand mit Arbeitskleidung vorbeikam.

Am zweiten Tag fiel ihm etwas auf.

Nicht eine geheime Übergabe.

Nicht ein verdächtiger Umschlag.

Nur eine Frage.

Ein Mitglied aus Darlenes Familie, das regelmäßig im Gebäude auftauchte und dort niemandem erklärt werden musste, sprach im Vorbeigehen mit einem Mitarbeiter nahe der Führungsetage.

Blake hörte nur einen Satz, weil die beiden Menschen offenbar überzeugt waren, dass er mit seinem Wagen beschäftigt war.

„Ist der Hausmeister noch da?“

Blake wischte weiter.

Sein Rücken blieb ihnen zugewandt.

Er hörte die Antwort nicht deutlich genug, um sie später sicher wiederzugeben, doch die Frage allein war bereits bemerkenswert.

Sein Name war nicht gefallen.

Darlene war nicht erwähnt worden.

Trotzdem wusste die Person offenbar, welcher Hausmeister gemeint war.

Blake erzählte Darlene am Abend davon.

Sie reagierte nicht mit Überraschung.

Das beunruhigte ihn mehr, als wenn sie wütend geworden wäre.

„Sie haben damit gerechnet“, sagte er.

„Ich habe mit mehreren Möglichkeiten gerechnet.“

„Das ist keine Antwort.“

Darlene stand an einem kleinen Tisch neben ihrem Schreibtisch und versuchte, unauffällig das Gewicht von einer Körperseite auf die andere zu verlagern.

Blake sah den Schmerz trotzdem.

„Diese Person hat seit dem Unfall mehrfach versucht, Entscheidungen von mir infrage zu stellen“, sagte sie schließlich.

„Wegen Ihrer Verletzungen?“

„Offiziell ging es immer um Belastung, Verantwortung und die Frage, ob ich mir genug Zeit zur Erholung nehme.“

„Und inoffiziell?“

Darlene sah ihn an.

„Um Kontrolle.“

Blake dachte an ihre erste Reaktion in der Nacht zurück.

Ihre Drohung war grausam gewesen.

Aber inzwischen verstand er, warum sie sofort davon ausgegangen war, dass jeder sichtbare Moment von Schwäche gegen sie verwendet werden konnte.

Verstehen bedeutete jedoch nicht verzeihen.

„Sie hätten mich trotzdem nicht bedrohen dürfen.“

Darlene senkte den Blick für einen Moment.

„Nein.“

Es war kein großes Schuldbekenntnis.

Kein dramatischer Zusammenbruch.

Nur ein einziges Wort.

Blake akzeptierte es, weil es das erste Mal war, dass sie einen Fehler nicht mit Macht überdeckte.

Am dritten Abend entdeckte er die zweite Unstimmigkeit.

Sein Mitarbeiterausweis funktionierte plötzlich an einer Seitentür der Führungsetage nicht mehr, obwohl sie zu seinem normalen Arbeitsbereich gehörte.

Blake probierte es kein zweites Mal.

Er ging über den üblichen Dienstweg zurück, beendete seine Runde und meldete Darlene später nur die Uhrzeit und die Tür.

Sie überprüfte den Eintrag auf ihrem Bildschirm.

Sein Zugang war erneut verändert worden.

Diesmal nicht erweitert.

Eingeschränkt.

„Jemand prüft, ob Sie reagieren“, sagte Darlene.

Blake schüttelte langsam den Kopf.

„Nein.“

„Was dann?“

„Jemand prüft, ob ich inzwischen für Sie arbeite.“

Darlene sah ihn scharf an.

Blake legte den Ausweis auf ihren Schreibtisch.

„Wenn ich mich beschwere, wenn ich plötzlich andere Türen brauche oder wenn meine Berechtigungen auffällig korrigiert werden, bestätigt das, dass sich meine Rolle verändert hat.“

Darlene verstand sofort.

„Also ändern wir nichts.“

„Genau.“

Am nächsten Morgen kam Blake wie immer durch den Haupteingang.

Er grüßte dieselben Menschen.

Er nahm denselben Wagen.

Er ging dieselben Wege.

Doch kurz vor Mittag sah er das Familienmitglied wieder.

Diesmal wartete die Person nicht zufällig in einem Flur.

Sie stand in der Nähe einer Tür, die Blake wegen der neuen Einschränkung nicht mehr öffnen konnte.

Als Blake näherkam, trat die Person zur Seite und beobachtete ihn.

Blake zog seinen Ausweis durch das Lesegerät.

Rot.

Er sah nicht überrascht aus.

Er zog die Karte wieder ein, drehte seinen Wagen um und nahm den längeren Weg.

Hinter sich hörte er Schritte.

Nur wenige.

Dann nichts mehr.

Am Abend erzählte er Darlene davon.

Sie legte beide Hände auf den Schreibtisch.

„Die Person wusste also, welche Tür betroffen war.“

„Oder wollte sehen, ob ich dort Probleme bekomme.“

Darlene nickte langsam.

Zum ersten Mal wirkte sie nicht wie jemand, der einen Gegner drei Züge im Voraus kontrollierte.

Sie wirkte wie jemand, der begriff, dass der Gegner näher stand, als sie sich eingestehen wollte.

Blake zeigte auf seinen Ausweis.

„Das ist unser Beweisstück.“

„Noch nicht.“

„Was fehlt?“

„Der Zusammenhang.“

Die eigentliche Wendung kam einen Tag später.

Darlene hatte die bisherigen Änderungen an Blakes Zugang nicht rückgängig machen lassen, sondern lediglich die vorhandenen Protokolle gesichert und verglichen.

Dabei zeigte sich etwas, das sie zunächst selbst verdächtig aussehen ließ.

Die erste Freigabe für ihr Büro war unter einer Berechtigung erfolgt, die auf ihre eigene Führungsebene zurückführte.

Blake starrte auf die Anzeige.

„Das sieht aus, als hätten Sie selbst meine Karte freigeschaltet.“

„Genau darauf war es angelegt.“

„Könnten Sie es gewesen sein?“

Darlene antwortete nicht empört.

Sie antwortete sachlich.

„Wenn ich Sie hätte testen wollen, hätte ich danach nicht versucht, meine eigene Verletzung vor Ihnen zu verbergen.“

Blake dachte darüber nach.

Das stimmte.

Aber es war keine technische Widerlegung.

„Was sagt der Rest?“

Darlene zeigte auf die Folgeeinträge.

Die spätere Einschränkung seines Ausweises war über denselben internen Berechtigungsweg vorgenommen worden.

Und diesmal war die Änderung zu einem Zeitpunkt erfolgt, an dem Darlene mit Blake in ihrem Büro gesprochen hatte und ihren eigenen Zugang nicht benutzt hatte.

Das war noch immer kein Name.

Aber es zerstörte die bequemste Erklärung.

Jemand verfügte über Zugriff auf einen Bereich, der nach außen wie Darlenes eigene Autorität wirkte.

Jemand hatte Blakes Karte erst geöffnet und später absichtlich wieder blockiert.

Und jemand aus Darlenes Familie wusste genug darüber, um zu beobachten, ob Blake auf die zweite Änderung reagierte.

Darlene sah ihn an.

„Jetzt verstehen Sie, warum ich niemanden voreilig beschuldigen wollte.“

Blake nickte.

„Und jetzt verstehen Sie, warum der Koffer verschwinden muss.“

Sie runzelte die Stirn.

„Nein.“

Blake deutete auf den Schrank, in dem das Geld seit ihrem ersten Gespräch eingeschlossen lag.

„Die Person erwartet noch immer ein Ergebnis.“

„Welches?“

„Dass Sie mich bezahlt haben.“

Darlene sagte nichts.

Blake setzte sich ihr gegenüber.

„Wenn wir nur warten, sucht sie nach einem neuen Weg.“

„Sie wollten keine Konfrontation.“

„Will ich immer noch nicht.“

„Was schlagen Sie vor?“

Blake sah auf den Ausweis zwischen ihnen.

„Geben wir ihr die Information, die sie hören will, aber nicht die Handlung, die sie braucht.“

Am folgenden Tag änderte sich im Gebäude sichtbar nichts.

Blake arbeitete weiter.

Darlene erschien zu ihren Terminen im gleichen dunklen Anzug wie zuvor.

Der schwarze Koffer blieb in ihrem Büro.

Doch Blake ließ bei einem Gespräch in einem offenen Arbeitsbereich bewusst einen Satz fallen, den jemand weitertragen konnte.

„Mrs. Stanley und ich haben uns geeinigt.“

Mehr sagte er nicht.

Keinen Betrag.

Keine Aufgabe.

Kein Geheimnis.

Bis zum Nachmittag wusste offenbar bereits jemand davon.

Kurz vor Ende seiner Schicht erhielt Blake die Anweisung, noch einmal auf die Führungsetage zu kommen.

Als er ankam, war Darlene nicht allein.

Das Familienmitglied stand vor ihrem Schreibtisch.

Blake blieb nahe der Tür.

Die Person sah ihn nur kurz an, dann Darlene.

„Das ist also Ihre Lösung?“

Darlene antwortete ruhig.

„Wofür?“

„Für das Problem mit ihm.“

Blake spürte, wie sein Puls anzog.

Darlene legte einen Stift auf den Tisch.

„Welches Problem?“

Die Person schwieg einen Moment zu lange.

Dann kam der Satz, auf den Blake gehofft hatte.

„Sie können keinen Mitarbeiter dafür bezahlen, dass er vergisst, was er in Ihrem Büro gesehen hat.“

Darlene bewegte sich nicht.

Blake ebenfalls nicht.

Die Person hatte gerade etwas ausgesprochen, das Blake außerhalb dieses Büros nie erzählt hatte.

Nicht, dass er Darlene begegnet war.

Nicht, dass es spät gewesen war.

Sondern dass er etwas in ihrem privaten Büro gesehen hatte, das verschwiegen werden sollte.

Darlene fragte nur: „Woher wissen Sie, was Blake gesehen hat?“

Jetzt kam keine Antwort.

Die Person versuchte stattdessen, den Satz zurückzunehmen, behauptete, es sei nur eine naheliegende Vermutung gewesen, und wechselte sofort zum Geld.

„Sie haben ihm doch 85.000 Dollar angeboten.“

Blake trat einen Schritt vor.

„Das stimmt.“

Der Blick des Familienmitglieds schoss zu ihm.

„Dann ist die Sache ja eindeutig.“

„Nein“, sagte Blake.

Er stellte den schwarzen Koffer, den Darlene kurz zuvor aus dem Schrank geholt hatte, auf den Schreibtisch.

Die Verschlüsse waren noch geschlossen.

„Ich habe das Geld nicht genommen.“

Die Person sah erst den Koffer, dann Darlene an.

Blake legte seinen Mitarbeiterausweis daneben.

„Aber jemand hat meine Zugangsrechte zweimal verändert.“

Darlene schob die gesicherten Protokolle über den Tisch.

Keine Rede.

Keine Drohung.

Nur die Zeiten.

Die Tür.

Die Freigabe.

Die spätere Sperre.

Und die Tatsache, dass die Person vor ihnen Wissen gezeigt hatte, das sie nach eigener Darstellung gar nicht besitzen konnte.

Der Versuch, Darlene zu einer panischen Reaktion zu zwingen, war damit nicht einfach gescheitert.

Er hatte sich gegen seinen Urheber gedreht.

Darlene entzog dem Familienmitglied noch am selben Tag den Zugriff auf ihre internen Berechtigungen und auf die Bereiche, über die Blakes Karte verändert worden war, bis die Angelegenheit vollständig geprüft werden konnte.

Sie ließ keinen Sicherheitsdienst hereinmarschieren.

Sie hielt keine triumphierende Ansprache.

Sie öffnete lediglich die Tür ihres Büros und sagte: „Sie gehen jetzt.“

Die Person versuchte noch einmal, Blake anzusehen.

Er wich dem Blick nicht aus.

Dann ging sie.

Erst als die Tür geschlossen war, sank Darlene langsam in ihren Stuhl.

Blake bemerkte, wie ihre rechte Hand zu den Rippen wanderte und dort für einen Moment liegen blieb.

„Sie sollten sich ausruhen“, sagte er.

„Sie klingen wie mein Arzt.“

„Dann hören Sie vielleicht irgendwann auf jemanden.“

Ein kurzes, echtes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

Es hielt nur einen Moment.

Dann sah sie zum Koffer.

„Das Angebot steht noch.“

Blake schüttelte den Kopf.

„Nicht so.“

„Was wollen Sie stattdessen?“

Er dachte an seine Wohnung.

An die Räumungsaufforderung.

An Abigails Inhalator.

An all die Rechnungen, die sich nicht durch Stolz bezahlen ließen.

„Einen richtigen Vertrag.“

Darlene sah ihn aufmerksam an.

„Eine Stelle, die erklärt, warum Sie mich unterstützen, ein Gehalt, das ich versteuern kann, Krankenversicherung, klare Aufgaben und nichts, was meine Tochter betrifft.“

„Und die 85.000?“

Blake legte eine Hand auf den Koffer.

„Wenn Sie mir wirklich diesen Betrag geben wollen, dann nicht als Bargeld dafür, dass ich schweige.“

Er schob den Koffer zu ihr zurück.

„Machen Sie daraus etwas, das auf Papier stehen kann.“

Darlene betrachtete ihn lange.

Dann zog sie den Koffer zu sich.

„Sie sind der erste Mensch seit sehr langer Zeit, der 85.000 Dollar von mir wegschiebt und anschließend mehr Bedingungen stellt.“

„Ich habe eine siebenjährige Tochter.“

„Das erklärt einiges.“

„Fast alles.“

Darlene hielt Wort.

Blake bekam keine erfundene Führungsposition und keinen glänzenden Titel, der ihn über Nacht in einen anderen Menschen verwandelt hätte.

Seine neue Aufgabe war praktisch: Er arbeitete direkt für Darlene an internen Abläufen, Zugängen und ungewöhnlichen Vorgängen, weil er die Wege des Gebäudes kannte und weil er bewiesen hatte, dass er unter Druck weder das Offensichtliche noch das Bequeme wählte.

Die vereinbarten 85.000 Dollar wurden nicht in einem schwarzen Koffer übergeben, sondern als sauber dokumentierte Vergütung im Rahmen seiner neuen Beschäftigung geregelt.

Für Blake bedeutete das etwas wesentlich Größeres als einen spektakulären Geldregen.

Er konnte die überfälligen Forderungen ordnen.

Er musste nicht mehr jede Nacht ausrechnen, welche Rechnung noch einige Tage warten konnte.

Und Abigail behielt die medizinische Versorgung, vor deren Verlust er am Morgen nach jener verhängnisvollen Nacht solche Angst gehabt hatte.

Darlene hielt sich ebenfalls an ihre Grenze.

Abigail wurde nicht überwacht.

Ihr Name tauchte in keinem weiteren Gespräch über die interne Intrige auf.

Ihre medizinischen Unterlagen verschwanden aus Darlenes Arbeitsakte und wurden nie wieder als Argument auf einen Tisch gelegt.

Einige Wochen später stand Blake morgens wieder am Eingang des Gebäudes.

Die Türen öffneten sich, als er seinen Mitarbeiterausweis an das Lesegerät hielt.

Dieses Mal zuckte er nicht zusammen.

Die Karte öffnete genau die Türen, die sie öffnen sollte.

Keine mehr.

Keine weniger.

Oben in Darlenes Büro lag kein Geldkoffer mehr zwischen ihnen.

Stattdessen lag dort ein sauberer Arbeitsplan, auf dessen erster Seite sein Name stand.

Darlene schob ihm den Plan zu.

Blake nahm ihn.

Dann vibrierte sein Telefon in der Tasche.

Es war eine kurze Nachricht von Abigail, die ihm mit Hilfe einer Betreuungsperson geschrieben hatte, dass sie ihren Inhalator eingepackt hatte und er ihn diesmal nicht wieder dreimal kontrollieren müsse.

Blake musste lächeln.

Darlene bemerkte es.

„Alles in Ordnung?“

„Ja.“

Er steckte das Telefon wieder ein und nahm seinen Ausweis vom Tisch.

Monate zuvor war dieses kleine Stück Kunststoff benutzt worden, um ihn durch eine Tür zu schicken, die er niemals hätte öffnen dürfen.

Jetzt hing es wieder an seiner Brust.

Diesmal wusste Blake genau, warum jede Tür aufging.

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